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UniTechnics Nord KG

PROJEKT –19.10.2026
Fremdwasseranalyse im Kanalnetz: Ursachen eingrenzen und Maßnahmen planen
BESCHREIBUNG
Fremdwasser im Kanalnetz erkennen und Untersuchungen gezielt planen. Gemeinsam mit den Stadtwerken Leer untersuchte UNITECHNICS ein Schmutzwassernetz mithilfe von acht Radarsonden. Die Messkampagne umfasste 61 Tage und 24 Regenereignisse. Ziel war es, auffällige Netzbereiche zu identifizieren und mögliche Fremdwassereinträge räumlich einzugrenzen.
Die Auswertung zeigte unterschiedliche Reaktionen auf Niederschläge und ermöglichte die Priorisierung weiterführender Untersuchungen. Auf dieser Grundlage wurden gezielte Handlungsempfehlungen für die Ursachenprüfung und die Planung späterer Sanierungsmaßnahmen entwickelt.

Projekt · Fremdwasseranalyse

Fremdwasseranalyse im Kanalnetz: Ursachen eingrenzen und Maßnahmen planen

Wie Wasserstandsmessungen und Niederschlagsdaten helfen, auffällige Netzbereiche einzugrenzen und die nächsten Untersuchungsschritte fundiert zu planen.

Fremdwasser beansprucht Kapazitäten in Schmutzwasserkanälen, Pumpwerken und Kläranlagen. Für Betreiber stellt sich deshalb die Frage, wo zusätzliche Zuflüsse entstehen und welche Bereiche zuerst untersucht werden sollten. Gemeinsam mit den Stadtwerken Leer hat UNITECHNICS ein Schmutzwassernetz auf Hinweise auf Fremdwassereinträge untersucht. Die Auswertung einer 61-tägigen Messkampagne machte unterschiedliche Reaktionen auf Niederschläge sichtbar und lieferte eine Grundlage für gezielte Prüfungen im Kanalnetz.

Fremdwasseranalyse beginnt mit dem Verständnis des Kanalnetzes

Ausgangspunkt des Projekts war der Verdacht auf Fremdwasser im Schmutzwassernetz. Ziel war es, niederschlagsabhängige Auffälligkeiten und anhaltend erhöhte Wasserstände zu erkennen und daraus priorisierte Untersuchungsbereiche abzuleiten.

Dafür wurden acht Messstellen im Netz betrachtet. Ihre Lage entlang der Fließwege war für die Auswertung entscheidend: Einzelne Messstellen erfassen vorgelagerte Teilbereiche, andere die gemeinsame Reaktion mehrerer Zuläufe. Zwei Zulaufpfade führen zu einem Pumpwerk. Diese Netzstruktur ermöglicht es, Auffälligkeiten im Zusammenhang zu bewerten und die weiterführende Ursachenprüfung räumlich einzugrenzen.

Acht Radarsonden liefern Einblicke in das Abflussgeschehen

Die Messkampagne erstreckte sich vom 10. Juni bis zum 9. August 2026. Radarsonden erfassten den Abstand zur Wasseroberfläche. Aus dem dokumentierten Abstand zwischen Sonde und Kanalsohle sowie dem gemessenen Abstand zur Wasseroberfläche wurde der relative Wasserstand berechnet.

Die Messungen zeigen, wann sich Wasserstände verändern, wie deutlich einzelne Messstellen auf Regen reagieren und ob erhöhte Niveaus länger bestehen bleiben. Für die Einordnung wurden Niederschlagsdaten in einer zeitlichen Auflösung von fünf Minuten herangezogen.

Radarsonde zur Wasserstandsmessung im geöffneten Schmutzwasserschacht
Radarsonde im Kanalschacht zur Erfassung der Wasserstände während der Fremdwasseranalyse.

Regenereignisse machen Unterschiede im Netz sichtbar

Im Untersuchungszeitraum wurden insgesamt 212,2 Millimeter Niederschlag und 24 Regenereignisse ausgewertet. Das niederschlagsreichste Ereignis trat am 1. Juli 2026 mit 49,7 Millimetern auf. Die maximale Stundensumme dieses Ereignisses betrug 40,13 Millimeter.

Der Vergleich von Niederschlag und Wasserstandsverläufen zeigte deutliche Reaktionen im Netz. Dabei unterschieden sich die Messstellen sowohl in der Höhe ihrer Ereignisspitzen als auch im zeitlichen Verlauf. Neben kurzfristigen Anstiegen traten erhöhte Mindestniveaus und länger anhaltende Niveauerhöhungen auf. Diese Muster liefern Ansatzpunkte für die weitere Untersuchung.

Die vier niederschlagsreichsten Ereignisse: 49,70, 31,84, 20,09 und 16,81 Millimeter
Die vier niederschlagsreichsten Ereignisse im Messzeitraum vom 10. Juni bis 9. August 2026.

Messsignale fachlich einordnen

Ein schneller Wasserstandsanstieg bei Regen kann auf kurzfristige niederschlagsbedingte Zuflüsse hinweisen. Anhaltend erhöhte Mindestniveaus können Anlass geben, Leitungen und Schächte auf Undichtigkeiten und mögliche Infiltration zu untersuchen. Länger anhaltende Niveauerhöhungen erfordern zusätzlich einen Blick auf verzögerte Zuflüsse und betriebliche Einflüsse.

Die Messkurve allein weist die Ursache jedoch nicht nach. Auch Ablagerungen, örtliche Engstellen oder der Pumpwerksbetrieb können Wasserstände beeinflussen. Deshalb müssen die Ergebnisse mit Inspektionsbefunden und Betriebsdaten abgeglichen werden. Eine auffällige Messstelle markiert zunächst einen Prüfbedarf, noch keinen bestätigten Schaden.

Detail einer im Kanalschacht befestigten Radarsonde
Detailaufnahme einer eingebauten Radarsonde zur berührungslosen Abstandsmessung.

Aus der Auswertung entstehen konkrete Prioritäten

Die stärkste Kopplung mit dem Niederschlag in der 7-Tage-Auswertung zeigten die anonymisierten Messstellen MS04, MS05 und MS02. Besonders der Netzabschnitt zwischen MS04 und MS01 wurde für weiterführende Prüfungen priorisiert. Hier kamen eine deutliche Regenkopplung und erhöhte Mindestniveaus zusammen.

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf den Zuläufen zu einem nachgelagerten Sammelpunkt. Die Empfehlung lautet, diese Teilstränge gezielt zu untersuchen und ihre Reaktionen voneinander abzugrenzen. An einer weiteren Messstelle fiel eine länger anhaltende Niveauerhöhung im Juli auf. Hier gilt es, mögliche verzögerte Infiltration und betriebliche Rückstaueinflüsse zu unterscheiden.

7-Tage-Niederschlagskorrelation: MS04 mit 0,747, MS05 mit 0,712 und MS02 mit 0,707
Die drei höchsten Korrelationswerte der 7-Tage-Auswertung. Sie beschreiben einen Zusammenhang, keinen Fremdwasseranteil.

Gezielte Prüfungen schaffen die Grundlage für die Sanierung

Aus den Ergebnissen leitete UNITECHNICS konkrete Handlungsempfehlungen ab. Dazu gehören die Reinigung und anschließende TV-Inspektion auffälliger Abschnitte sowie die Prüfung von Schächten, Muffen und Anschlüssen auf Fremdwasserzutritte. Mögliche Regenwasser-, Dränage- oder Grundstücksfehlanschlüsse können durch gezielte Anschlussprüfungen, beispielsweise mit Nebel- oder Farbtests, untersucht werden.

Ergänzend sollen Pumpenlaufzeiten, Starts, Schaltstände und dokumentierte Störungen mit Niederschlägen und Wasserstandsspitzen abgeglichen werden. Dadurch lässt sich besser beurteilen, welche Auffälligkeiten mit Zuflüssen zusammenhängen und wo betriebliche Einflüsse berücksichtigt werden müssen.

Bestätigte Schäden und Fehlanschlüsse bilden anschließend die Grundlage für einen Sanierungsplan. Ob Abdichtungen, die Trennung von Fehlanschlüssen oder betriebliche Maßnahmen erforderlich sind, entscheidet sich anhand der konkreten Befunde.

Vier Schritte: Netzbereiche eingrenzen, Ursachen prüfen, Pumpwerksbetrieb einbeziehen und Maßnahmen bewerten
Empfohlene Schritte von der Messdatenauswertung bis zur Bewertung der Maßnahmenwirkung.

Belastbare Hinweise statt ungesicherter Mengenangaben

Das Ergebnis des Projekts ist eine räumlich priorisierte Grundlage für weitere Untersuchungen. Aus den Abstandsmessungen lassen sich weder Durchflussmengen noch Fremdwasservolumen oder prozentuale Fremdwasseranteile belastbar ableiten. Auch eine hydraulische Überlastung lässt sich ohne ergänzende Netz- und Betriebsdaten nicht sicher bewerten.

Eine bereits erreichte Fremdwasserreduzierung ist mit der Messkampagne daher nicht nachgewiesen. Die Wirkung späterer Maßnahmen soll anhand von Sanierungsnachweisen sowie Pumpwerks- und Kläranlagenkennzahlen unter vergleichbaren Niederschlagsbedingungen beurteilt werden.

Fremdwasser gezielt reduzieren

Das Projekt mit den Stadtwerken Leer zeigt, wie eine systematische Messdatenauswertung den nächsten Untersuchungsschritt vorbereitet. Betreiber erhalten konkrete Hinweise, welche Netzabschnitte vorrangig geprüft werden sollten und welche ergänzenden Daten für die Bewertung fehlen. So lassen sich Untersuchungen gezielter planen und spätere Maßnahmen auf nachvollziehbare Befunde stützen.

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