Aktuelles
UniTechnics Nord KG
- Projekt – 20.07.2026
- Fremdwasser im Kanalnetz erkennen und gezielt reduzieren
- Beschreibung
- Messdaten als Grundlage für eine gezielte Fremdwasseranalyse
Wenn die gemessenen Abwassermengen deutlich über dem erwartbaren Trinkwasserverbrauch liegen, stellt sich für Betreiber von Kanalnetzen die Frage nach den Ursachen. Eine erhöhte hydraulische Belastung kann unterschiedliche Gründe haben und lässt sich nicht immer unmittelbar einem einzelnen Ereignis zuordnen. Besonders auffällig ist die Situation, wenn Pumpwerke auf Niederschlagsereignisse reagieren, die Reaktionen jedoch weder zeitlich noch in ihrer Intensität einheitlich ausfallen. In solchen Fällen kann neben eingetragenem Regenwasser auch Grund- oder Schichtenwasser eine wesentliche Rolle spielen. Über undichte Leitungen, schadhafte Schächte oder andere Schwachstellen kann dieses Wasser als Fremdwasser in das Kanalnetz gelangen.
Fremdwasser erhöht die Abwassermengen im Kanalnetz und kann dadurch Pumpwerke, Leitungen und nachgelagerte Anlagen zusätzlich belasten. Um geeignete Maßnahmen ableiten zu können, müssen mögliche Ursachen deshalb zunächst systematisch untersucht und räumlich eingegrenzt werden.
Messkampagne an acht Messstellen
Im Rahmen des Projekts wurde eine mehrmonatige Messkampagne an insgesamt acht Messstellen durchgeführt. Die dort erfassten Wasserstandsdaten wurden mit den vorliegenden Niederschlagsdaten verknüpft und umfassend ausgewertet.
Insgesamt konnten 58 Regenereignisse in die Analyse einbezogen werden. Dadurch war es möglich, sowohl kurzfristige Reaktionen auf Niederschlag als auch längerfristige Entwicklungen an den einzelnen Messstellen zu betrachten und miteinander zu vergleichen.
Die Auswertung zeigte, dass mehrere Messstellen auch bei ausbleibendem Niederschlag dauerhaft hohe Wasserstände aufwiesen. Gleichzeitig reagierten die Messstellen unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark auf Regenereignisse. Während an einigen Messpunkten zeitnahe Veränderungen erkennbar waren, zeigten sich an anderen Stellen verzögerte oder länger anhaltende Reaktionen.
Hinweise auf grund- und schichtenwasserabhängiges Fremdwasser
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Entwicklung der Abwassermengen nicht allein durch den Trinkwasserverbrauch oder einzelne Regenereignisse erklären lässt. Vielmehr bestehen deutliche Hinweise auf zusätzliche Zuflüsse aus dem Untergrund.
Insbesondere zeitverzögerte Reaktionen können darauf hindeuten, dass Grund- oder Schichtenwasser in das Kanalnetz eindringt. In der Gesamtschau legt die Auswertung daher eine grund- beziehungsweise schichtenwasserabhängige Fremdwasserinfiltration nahe.
Abbildung 1: Vergleich der Trink- und Abwassermengen in Bezug auf die vertraglich festgelegten Maximalwerte sowie Darstellung des zugehörigen Grundwasserpegels auf der sekundären y-Achse.
Datenqualität als wichtiger Bestandteil der Analyse
Ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung war die sorgfältige Prüfung der Datenqualität. Denn nur belastbare Messdaten ermöglichen auch belastbare Aussagen zur Entwicklung der Wasserstände und Abwassermengen.
Im Rahmen der Auswertung wurden deshalb Messausfälle, unplausible Wasserstände sowie mögliche Nullpunkt- oder Sensoreffekte erkannt und bei der Bewertung berücksichtigt. Auf diese Weise konnten Auffälligkeiten in den Messreihen fachlich eingeordnet werden.
Die aus den Wasserständen berechneten Durchflüsse sind als fachliche Näherungen zu verstehen. Sie ersetzen weder eine direkte Kalibrierung noch eine Geschwindigkeitsmessung im Kanal. Diese Abgrenzung ist wichtig, um die Aussagekraft der Ergebnisse realistisch zu bewerten und keine Genauigkeit vorzutäuschen, die durch die vorhandene Datengrundlage nicht abgesichert ist.
Von der Fremdwasseranalyse zur gezielten Sanierungsplanung
Aus den gewonnenen Erkenntnissen lässt sich eine klare Maßnahmenkette ableiten. Im ersten Schritt sollten die vorhandenen Netzdaten vollständig digitalisiert und strukturiert zusammengeführt werden. Zusätzlich sind die Sensorhöhen, Nullpunkte und Messstellenkonfigurationen zu überprüfen.
Auf dieser Grundlage können Kanäle und Schächte gezielt inspiziert werden. Ziel ist es, mögliche Schadstellen, Undichtigkeiten und Fremdwasserzutritte räumlich einzugrenzen und zu lokalisieren.
Ergänzende direkte Durchflussmessungen schaffen anschließend die erforderliche Kalibrierungsgrundlage für weitergehende hydraulische Bewertungen. Dadurch lassen sich die vorhandenen Messdaten besser einordnen und mögliche Maßnahmen fachlich absichern.
Die Ergebnisse der Fremdwasseruntersuchung ermöglichen es, Sanierungsmaßnahmen gezielt zu priorisieren, Pumpwerksdaten besser in die Gesamtbetrachtung einzubinden und Investitionen nachvollziehbar zu planen.
Aus einem zunächst schwer greifbaren Fremdwasserproblem entsteht so Schritt für Schritt eine belastbare Entscheidungsgrundlage – von der Datenerfassung über die Ursachenanalyse bis hin zur konkreten Umsetzung.
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